Whitepaper zum Quartalsbericht und Zukunftsperspektiven von NVIDIA
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Executive Summary
- 3. Quartalszahlen und Fundamentaldaten
- 4. Nachfrage und Capex-Zyklus
- 5. Angebot, Lieferkette und Preisentwicklung
- 6. Wettbewerbsumfeld und Moat
- 7. China und regulatorische Risiken
- 8. Bewertung und Konsens
- 9. Szenarien für die nächsten 24 Monate
- 10. Katalysatoren und Risiken im kurzfristigen Horizont
- 11. Langfristige technologische Perspektiven
- 12. Globale Nachfrage und geopolitischer Kontext
- 13. Peer-Vergleich
- 14. Charttechnik
- 15. Fazit
- 16. Glossar wichtiger Fachbegriffe
Risikohinweis:
Die in diesem Whitepaper enthaltenen Informationen, Analysen und Einschätzungen stellen keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar, sondern dienen ausschließlich der Information und Diskussion über allgemeine Markt- und Unternehmensentwicklungen. BlackOakInvest übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die dargestellten Szenarien, Prognosen und Bewertungen basieren auf Annahmen und Einschätzungen, die Risiken und Unsicherheiten unterliegen, und können sich als unzutreffend oder überholt erweisen. Investitionsentscheidungen sollten nicht allein auf der Grundlage dieses Whitepapers getroffen werden, sondern erfordern eine unabhängige Prüfung und Beratung durch qualifizierte Finanzexperten. BlackOakInvest haftet nicht für Verluste oder Schäden, die aus der Nutzung der Informationen oder Analysen in diesem Whitepaper resultieren, einschließlich, aber nicht beschränkt auf finanzielle Verluste durch Investitionen in NVIDIA oder andere Wertpapiere. Jegliche Haftung für direkte oder indirekte Schäden, die aus der Verwendung dieses Dokuments entstehen, ist ausgeschlossen, soweit dies gesetzlich zulässig ist. Investoren tragen das volle Risiko ihrer Anlageentscheidungen.
1. Einleitung
NVIDIA ist in den vergangenen Jahren zu einem der zentralen Unternehmen im globalen Technologiesektor aufgestiegen. Während das Unternehmen ursprünglich durch Grafikkarten für den Gaming-Bereich bekannt wurde, hat es sich in der aktuellen Welle der Künstlichen Intelligenz (KI) zu einem unverzichtbaren Lieferanten von Infrastruktur entwickelt. GPUs (Grafikprozessoren) von NVIDIA sind heute die Basis für das Training und die Anwendung (Inferenz) von KI-Modellen. Gleichzeitig bindet die Softwareplattform CUDA Millionen von Entwicklern an die Produkte – ein Faktor, der den technologischen Vorsprung absichert. Dieses Whitepaper untersucht den aktuellen Stand des Unternehmens nach den jüngsten Quartalszahlen und ordnet die Zukunftsperspektiven ein.
2. Executive Summary
Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erzielte NVIDIA einen Umsatz von 46,7 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 56 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders das Data-Center-Segment, in dem die KI-Chips verkauft werden, trug mit 41,1 Milliarden US-Dollar den Löwenanteil bei. Die Bruttomarge lag bei 72,7 Prozent – ein außergewöhnlich hoher Wert für die Branche.
Das Management kündigte außerdem ein Aktienrückkaufprogramm im Umfang von 60 Milliarden US-Dollar an. Die Aktie handelt aktuell mit einem Forward-KGV von etwa 34, verglichen mit rund 28 für den Nasdaq im Durchschnitt. Die Bewertung liegt damit deutlich unter den Höchstständen von 2023, aber immer noch auf Premium-Niveau. Entscheidend ist, dass das Wachstum die Bewertung rechtfertigen muss.
3. Quartalszahlen und Fundamentaldaten
Die Umsatzstruktur zeigt klar: Das Data-Center-Geschäft dominiert inzwischen mit großem Abstand. Trotz Anlaufkosten für die neue Blackwell-Generation konnten die Margen hochgehalten werden. Rechnet man einen Sondereffekt (H20) heraus, lag die bereinigte Bruttomarge immer noch bei 72,3 Prozent.
Im ersten Halbjahr 2026 wurden bereits 24,3 Milliarden US-Dollar an Kapital an die Aktionäre zurückgeführt. Die Guidance für das dritte Quartal liegt bei 54 Milliarden US-Dollar Umsatz, einer Non-GAAP-Marge von 73,5 Prozent und Betriebsausgaben von rund 4,2 Milliarden US-Dollar. China-Umsätze aus den H20-Chips sind weiterhin nicht berücksichtigt.
4. Nachfrage und Capex-Zyklus
Die zentrale Nachfragequelle für NVIDIA sind die Hyperscaler – also Cloud-Anbieter wie Microsoft, Alphabet (Google), Meta und Amazon. Diese Unternehmen erhöhen ihre Investitionsausgaben (Capex) massiv, um Rechenzentren für KI auszubauen.
Gesamtmarkt: ≈350 Milliarden US-Dollar Capex 2025, steigend auf ≈402 Milliarden US-Dollar 2026.
Goldman Sachs schätzt, dass in den kommenden Jahren mehr als eine Billion US-Dollar in KI-Infrastruktur fließen werden, wovon etwa die Hälfte direkt NVIDIA zugutekommt. BlackRock hebt die Möglichkeit eines globalen Produktivitätsschubs hervor, falls diese Investitionen in der Breite wirken.
5. Angebot, Lieferkette und Preisentwicklung
Lange Zeit war die Herstellungskapazität ein Flaschenhals. Insbesondere das Advanced Packaging (CoWoS-L) bei TSMC war knapp. Inzwischen sind die Kapazitäten stark erweitert worden, die Abhängigkeit bleibt jedoch bestehen.
Ein zweiter Engpass ist der Speicher: High Bandwidth Memory (HBM) bleibt stark nachgefragt, die Anbieter SK hynix und Micron profitieren von hoher Preissetzungsmacht. Mit HBM4 ab 2026 könnte sich der Markt erneut verschieben.
Die Blackwell-Racks (GB200/NVL72) sind im Hochlauf. Anfangs gab es technische Probleme, die inzwischen adressiert wurden. Dennoch bleiben Lieferzeiten und Auslieferungsvolumen ein kritischer Punkt für die Umsatzentwicklung.
6. Wettbewerbsumfeld und Moat
Der Hauptkonkurrent ist AMD, das mit der MI-Serie (MI325X, MI350, MI400) jährlich neue Chips herausbringt und vor allem im Inferenz-Bereich punkten will. Intel ist bemüht, mit seinen Gaudi-Beschleunigern aufzuschließen, während Broadcom im Netzwerkbereich profitiert.
Der größte Vorteil von NVIDIA ist jedoch nicht die Hardware allein, sondern die CUDA-Softwareplattform. Sie stellt einen massiven Lock-in dar: Millionen Entwickler und hunderte Bibliotheken sind darauf angewiesen. Für Kunden wäre ein Wechsel mit erheblichen Kosten und Risiken verbunden.
7. China und regulatorische Risiken
Die US-Exportkontrollen verhindern derzeit den Verkauf von High-End-KI-Chips (H20) nach China. Im zweiten Quartal wurden keinerlei Umsätze aus diesem Bereich verbucht. Auch im Ausblick für Q3 ist China nicht enthalten. NVIDIA selbst schätzt die Belastung solcher Maßnahmen auf mehrere Milliarden Dollar pro Quartal. Damit bleibt die politische Entwicklung zwischen den USA und China ein binärer Risikofaktor.
8. Bewertung und Konsens
Historisch gesehen wurde NVIDIA in den letzten zehn Jahren fast immer mit einem Bewertungsaufschlag gegenüber der Halbleiterbranche gehandelt. Während klassische Hersteller wie Intel oder Texas Instruments in einem Bereich von 10–20 KGV bewertet wurden, lag NVIDIA in der Regel zwischen 25–50.
Heute notiert die Aktie bei einem Forward-KGV von ca. 34, was zwar hoch ist, aber deutlich unter den Spitzenwerten vergangener Jahre.
Noch wichtiger ist in der aktuellen Phase die PEG-Ratio (Price/Earnings-to-Growth). Sie setzt das KGV ins Verhältnis zum erwarteten Gewinnwachstum:
Bei einem erwarteten EPS-Wachstum von rund 30 % pro Jahr für die nächsten drei Jahre und einem KGV von 34 ergibt sich eine PEG-Ratio von etwa 1,1. Werte unter 1 gelten als günstig, Werte deutlich über 1 als teuer. NVIDIA bewegt sich hier also in einem Bereich, der nicht billig, aber für einen dominanten Marktführer vertretbar ist.
Analysten sehen ein durchschnittliches Kursziel von 203 US-Dollar, mit einer Spanne zwischen 100 und 270 US-Dollar. Die Bewertung ist nur dann gerechtfertigt, wenn die hohen Wachstumsraten weiter realisiert werden können.
9. Szenarien für die nächsten 24 Monate
1. Bull-Szenario (40 % Wahrscheinlichkeit)
Annahmen:
- Hyperscaler (Microsoft, Google, Meta, Amazon) erhöhen ihre Investitionen stärker als erwartet.
- Die neue Blackwell-Architektur läuft stabil und ohne größere Lieferprobleme.
- HBM4-Speicher kommt rechtzeitig und entschärft mögliche Engpässe.
- Exportkontrollen gegen China werden teilweise gelockert.
- Umsatzwachstum: >30 % pro Jahr; Bruttomarge: 74–75 %.
⇒ Aktienentwicklung: 35%-50 % in den nächsten 12–18 Monaten (Kurse > 250 USD möglich).
2. Base-Szenario (45 % Wahrscheinlichkeit)
Annahmen:
- Investitionen der Hyperscaler normalisieren sich 2026 etwas, bleiben aber hoch.
- Inferenz wächst und gleicht einen Teil der sinkenden Training-Ausgaben aus.
- Lieferkette (TSMC, HBM) bleibt angespannt, aber beherrschbar.
- Umsatzwachstum: 20–25 % pro Jahr; Bruttomarge: 73–74 %.
⇒ Aktienentwicklung: Seitwärts bis moderates Wachstum, 15%-30% in 12–18 Monaten (Kurs ~205–235 USD).
3. Bear-Szenario (15 % Wahrscheinlichkeit)
Annahmen:
- US verschärfen Exportverbote → China bricht als Markt weg.
- Hyperscaler drosseln KI-Capex stärker als erwartet.
- Probleme bei Blackwell-Lieferung oder Preisdruck durch AMD/Custom Chips.
- Umsatzwachstum: <10 % pro Jahr; Bruttomarge: <72 %.
⇒ Aktienentwicklung: –15 bis –30 % in 12–18 Monaten (Kurs ~130–160 USD).
10. Katalysatoren und Risiken im kurzfristigen Horizont
- Neue Investitionsguidance der Hyperscaler.
- Fortschritt beim Blackwell-Hochlauf.
- Meldungen zu HBM-Kapazitäten.
- Politische Entscheidungen zu China-Exporten.
- Tempo der Aktienrückkäufe und Cashflow-Entwicklung.
11. Langfristige technologische Perspektiven
Die Blackwell-Architektur (GB200) ist auf maximale Leistung und Effizienz im Training wie in der Inferenz ausgelegt. 2026 folgt mit Rubin die nächste Generation. Besonders die Inferenz gewinnt an Bedeutung, da sie in nahezu allen Anwendungen von Suchmaschinen über autonome Fahrzeuge bis hin zur Medizin benötigt wird. NVIDIA positioniert sich damit sowohl im Aufbau von KI als auch in deren praktischer Anwendung.
12. Globale Nachfrage und geopolitischer Kontext
Die USA treiben die Nachfrage durch Investitionen ihrer Tech-Giganten. China ist durch Exportkontrollen eingeschränkt und setzt verstärkt auf eigene Anbieter. Europa bemüht sich mit Projekten wie GAIA-X um unabhängige Infrastruktur. Geopolitik bleibt damit ein Schlüsselfaktor für NVIDIAs Geschäft.
13. Peer-Vergleich
- AMD: Starker Herausforderer, besonders im Inferenz-Bereich.
- Intel: Noch im Aufholmodus, Fokus auf Gaudi-Beschleuniger.
- Broadcom: Profitiert indirekt über Netzwerktechnik.
- Hyperscaler: Eigene Lösungen (Google TPU, Amazon Trainium), die meist ergänzend, nicht ersetzend wirken.
14. Charttechnik
Die aktuellen Quartalszahlen von NVIDIA setzen die Abwärtsbewegung weiter in Gange. Die Resistenz im Bereich 184$ lässt aktuell keine weiteren bullishen Impulse zu. Aktuell sieht es danach auch, dass der Kurs eine Welle 4 Korrektur ausbaut, die ihr Ende im Bereich zwischen 161,39$ und 147,10$ finden sollte. Persönlich gehe ich von einer Seitwärtsbewegung mit leichtem Verlust über die Dauer der Sommerpause aus. Danach ist es gut möglich, Kurse von weit über 200$ zu sehen bis hin zum Topping-Bereich bei 250$. Ich glaube NVIDIA kann weiter von dem KI-Hype profitieren und wird besonders stark steigen, wenn die Liquidität im Herbs/Winter steigt.
15. Fazit
NVIDIA steht aktuell im Mittelpunkt der globalen KI-Revolution. Die jüngsten Quartalszahlen zeigen ein Unternehmen, das mit Umsatzsteigerungen von über 50 % und Bruttomargen von über 72 % Maßstäbe in der Halbleiterindustrie setzt. Gleichzeitig signalisiert das neue Aktienrückkaufprogramm über 60 Mrd. US-Dollar, dass das Management das eigene Wachstum langfristig absichert und Vertrauen in die Cashflow-Generierung hat.
Die wichtigsten Treiber für die nächsten Quartale sind die Investitionen der großen Cloud-Anbieter. Microsoft, Google, Amazon und Meta erhöhen ihre Capex-Budgets auf historische Rekordwerte, was direkt zu einer anhaltend hohen Nachfrage nach NVIDIA-Chips führt. Hier liegt der strukturelle Kern der Investment-These: Solange diese Investitionswelle anhält, bleibt NVIDIA der unangefochtene Hauptprofiteur.
Risiken bestehen vor allem auf der geopolitischen Ebene. Die Exportkontrollen gegen China belasten bereits jetzt Milliardenumsätze pro Quartal und können im Worst-Case-Szenario nochmals verschärft werden. Zudem bleibt die Konkurrenz durch AMD mit neuen Inferenz-Chips sowie durch Hyperscaler mit Eigenentwicklungen wie Googles TPU ein Faktor, der Druck auf Preise und Marktanteile ausüben könnte.
Realistisch betrachtet ist das Base-Szenario aktuell das wahrscheinlichste. Die Wachstumsraten werden sich ab 2026 wahrscheinlich etwas normalisieren, da nicht jede Hyperscaler-Investition unbegrenzt weiter steigen kann. Dennoch sorgt die wachsende Bedeutung der Inferenz dafür, dass NVIDIA auch dann solide zweistellige Wachstumsraten erzielen dürfte. Ein jährliches Umsatzwachstum von 20–25 % bei stabilen Margen um 73–74 % erscheint realistisch. Auf Sicht von 12–18 Monaten bedeutet dies wahrscheinlich moderates Kurswachstum von etwa +15 bis +30 % – also eine Entwicklung entlang des Gewinnpfads, ohne extreme Ausschläge nach oben oder unten.
Das Unternehmen bleibt somit ein Kerninvestment für den KI-Sektor, allerdings zu einer Bewertung, die keine größeren Fehltritte erlaubt. Die Umsetzung der Blackwell-Architektur, das Management der Lieferketten und die politische Entwicklung rund um China werden die entscheidenden Stellschrauben sein, die bestimmen, ob NVIDIA im Bull-Szenario weiter durch die Decke geht – oder ob eine Abkühlung einsetzt.
16. Glossar wichtiger Fachbegriffe
KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis, P/E)
- Zeigt, wie viele Jahre es dauern würde, bis man den Aktienkurs über die Gewinne „zurückverdient“.
- Beispiel: Kurs 100 €, Gewinn je Aktie 5 € → KGV = 20.
- Nutzung: Hohe KGVs = Anleger erwarten starkes Wachstum.
Forward P/E (vorausschauendes KGV)
- Das gleiche wie KGV, aber mit den erwarteten Gewinnen der nächsten 12 Monate.
- Beispiel: Analysten erwarten Gewinn 10 €, Kurs 200 € → Forward P/E = 20.
- Nutzung: Hilft, die künftige Bewertung einzuschätzen.
Capex (Investitionsausgaben)
- Ausgaben eines Unternehmens für Anlagen, Gebäude oder Technik.
- Beispiel: Google baut neue Rechenzentren → hohe Capex.
- Nutzung: Zeigt, wie stark in die Zukunft investiert wird.
EPS (Earnings per Share – Gewinn je Aktie)
- Der Gewinn, den ein Unternehmen pro Aktie erzielt.
- Beispiel: 10 Mrd. € Gewinn bei 2 Mrd. Aktien → EPS = 5 €.
- Nutzung: Wichtige Basis für Kennzahlen wie KGV.
Bruttomarge
- Anteil des Umsatzes, der nach Herstellungskosten übrig bleibt.
- Beispiel: 100 € Umsatz, 30 € Kosten → Marge = 70 %.
- Nutzung: Je höher, desto profitabler das Geschäft.
CUDA
- NVIDIAs Softwareplattform, um GPUs zu programmieren.
- Bedeutung: Entwickler bauen ihre Programme darauf auf, dadurch sind sie langfristig an NVIDIA gebunden.
Training und Inferenz (bei KI)
- Training: Das Anlernen eines KI-Modells mit Daten (z. B. Sprachmodell wird mit Texten trainiert).
- Inferenz: Die Nutzung des trainierten Modells (z. B. ChatGPT beantwortet eine Frage).
- Bedeutung: NVIDIA liefert Chips für beide Phasen.