Porsche Holding SE

Porsche Holding SE

Analyse zur Porsche Holding SE Aktie

Risikohinweis / Disclaimer

Dieses Dokument stellt keine Anlageberatung, Finanzanalyse oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Alle enthaltenen Informationen und Einschätzungen dienen ausschließlich Informations- und Bildungszwecken und spiegeln die persönliche Meinung des Verfassers wider. Die in diesem Bericht dargestellten Daten und Prognosen basieren auf öffentlich zugänglichen Quellen, die als zuverlässig erachtet werden. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität dieser Informationen wird jedoch keine Gewähr übernommen. Historische Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Anleger sollten ihre Anlageentscheidungen stets selbstständig und nach sorgfältiger Prüfung treffen. Es wird ausdrücklich empfohlen, vor jeder Investition qualifizierten, unabhängigen Finanz- oder Steuerberater zu konsultieren. Der Verfasser übernimmt keinerlei Haftung für Vermögensschäden, die aus der Verwendung der in diesem Dokument enthaltenen Informationen resultieren könnten.

1. Executive Summary & Investment-These

Porsche SE ist eine Beteiligungsgesellschaft mit zwei zentralen Assets: einer Mehrheitsstimmrechtsbeteiligung an Volkswagen AG (VW) und einer Sperrminorität an Porsche AG. Die Aktie (PAH3) notiert aktuell mit einem deutlichen Abschlag auf den Net Asset Value (NAV) und bietet zugleich eine attraktive Dividendenrendite. Dieser Abschlag eröffnet Kurspotenzial, sofern sich die Ergebnisse bei VW und Porsche AG stabilisieren. Risiken bestehen insbesondere durch Wertabschreibungen (Impairments), die das Ergebnis stark beeinflussen können.

Im Vergleich zur Porsche AG Aktie kann Porsche SE damit günstiger bewertet sein und in bestimmten Szenarien eine höhere Gesamtrendite erzielen. Während Porsche SE vor allem an der Entwicklung des Volkswagen-Konzerns partizipiert, ist die Porsche AG stärker vom operativen Geschäft, Kostendruck und Marktschwankungen abhängig. Für Anleger mit mittlerer Risikobereitschaft ist Porsche SE daher interessant, während die Porsche AG für Investoren attraktiv bleibt, die direkt auf Markenstärke und operatives Wachstum setzen wollen.

Prüfschwerpunkte dieser Analyse:

  • Höhe und Rechtfertigung des NAV-Abschlags
  • Stabilität von Dividendenrendite und Ausschüttungsquote
  • Vergleich der Wachstumschancen von Porsche SE und Porsche AG
  • Realistische Szenarien für Kurs- und Ertragsentwicklung

2. Geschäftsmodell

Porsche SE ist eine Beteiligungsgesellschaft ohne eigenes operatives Automobilgeschäft.

Kernbestandteile:

  • Beteiligung an Volkswagen AG: ca. 53 % der Stimmrechte, rund 32 % Kapitalanteil
  • Beteiligung an Porsche AG: rund 12,5 % direkt, plus indirekter Einfluss über VW
  • Sonstige Investments: kleinere Engagements in Mobilitäts- und Technologie-Unternehmen (Raumfahrt, Drohnen, Software). Zudem prüft Porsche SE Investitionen im Verteidigungssektor (z. B. Cybersecurity, Satelliten, Logistiksysteme), um das Portfolio zu diversifizieren.

Einnahmequellen:

  • Dividenden von VW und Porsche AG
  • Erträge aus kleineren Beteiligungen
  • Potenziell Kapitalmaßnahmen oder Verkäufe

Belastungen:

  • Wertabschreibungen (Impairments) auf Beteiligungen
  • Finanzierungskosten
  • Starke Abhängigkeit von der operativen Entwicklung bei VW

3. Fundamentaldaten & Bewertung

  • Marktkapitalisierung: ca. € 11,1 Mrd.
  • Enterprise Value: ca. € 16,0 Mrd.
  • Kurs-Buchwert-Verhältnis: 0,32 (deutlicher Abschlag)
  • Dividendenrendite 2024e: ca. 5,3 % (€ 1,91 je Aktie)
  • KGV (2026e): ca. 9,2
  • Nettoergebnis 2024: –20€ Mrd. (hauptsächlich Impairments)

Interpretation:
Der Verlust 2024 beruht fast ausschließlich auf bilanziellen Abschreibungen. Die operative Liquidität blieb positiv, die Dividende wurde trotz Verlust gezahlt. Der niedrige Kurs-Buchwert-Faktor zeigt eine starke Skepsis des Marktes, eröffnet aber auch Aufwertungspotenzial.

Vergleich Porsche AG Aktie

  • Umsatz 2024: ca. 39–40€ Mrd.
  • Margen: Rückgang, RoS 2025 erwartet bei 10–12 % (vorher 14–15 %)
  • Dividende stabil, Gewinn rückläufig
  • Höherer Kurs als Porsche SE, da direkter Bezug zum operativen Geschäft und zur Marke

Bewertung & Kursziele

  • Reduktion des NAV-Abschlags von 40–50 % auf 20–30 %: Upside von ca. +30–60 % möglich
  • Bull-Szenario mit Margenstabilisierung: Kursgewinne bis +100 % realistisch
  • Pessimistisches Szenario: stagnierende oder fallende Kurse durch weitere Abschreibungen

4. Markt & Umfeld

Der Automobilmarkt befindet sich in einer Phase tiefgreifender Umbrüche. Elektrifizierung, Digitalisierung und neue Wettbewerber stellen die etablierten Hersteller vor enorme Herausforderungen. Für Volkswagen – und damit indirekt auch für Porsche SE – ist die Transformation zur E-Mobilität mit hohen Investitionen verbunden, während gleichzeitig Preisdruck und technologische Risiken zunehmen.

China bleibt der größte Einzelmarkt, sowohl für Volkswagen als auch für Porsche. Doch die Dynamik hat sich deutlich verändert: Während westliche Hersteller in den letzten zwei Jahrzehnten von der boomenden Nachfrage profitierten, stehen sie nun einem immer stärkeren Wettbewerb chinesischer Marken gegenüber, die Elektroautos günstiger und oft technologisch konkurrenzfähig anbieten. Hinzu kommen politische Spannungen und mögliche Handelshemmnisse, die den Zugang zum Markt erschweren. Rückläufige Absatzzahlen in China sind daher ein zentrales Risiko – gerade für Premiummarken, die lange auf die dortige Kaufkraft gesetzt haben.

Deutschland und die EU spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle – und nicht immer eine positive. Strenge CO₂-Vorgaben, ein teilweise unklarer Förderrahmen für Elektromobilität und ein Zickzackkurs bei Energiepolitik und Infrastruktur haben die Planungssicherheit für Hersteller spürbar verschlechtert. Während die Politik ambitionierte Klimaziele vorgibt, fehlt es oft an einer realistischen, industriepolitischen Begleitung. Das Ergebnis: hohe Kosten für Hersteller, ein Wettbewerbsnachteil gegenüber Ländern mit stabileren Rahmenbedingungen – und damit ein Risiko für Investoren.

Für Porsche SE bedeutet das: Sie ist gleich doppelt exponiert. Einerseits über Volkswagen mit seiner globalen Aufstellung und den Abhängigkeiten in China, andererseits über die deutsche Politik, deren Entscheidungen die gesamte Branche unmittelbar beeinflussen.

5. Chancen und Risiken

Chancen:

  • Reduktion des NAV-Abschlags (Potenzial +30–60 %)
  • Attraktive Dividendenrendite (>5 %)
  • Hebel auf VW-Erholung und E-Mobility-Potenzial
  • Diversifikation durch neue Investments (inkl. Defense-Sektor)
  • Kurschancen bei Marktübertreibungen nach unten

Risiken:

  • Weitere große Impairments belasten NAV und Vertrauen
  • Kürzungen der Dividende bei schwachem VW-Ergebnis
  • Starke Abhängigkeit von VW und globalen Autotrends
  • Hohe Kosten für Elektrifizierung, Rohstoffe und Regulierung
  • Governance-Risiken durch enge Familienkontrolle
  • Wettbewerbsdruck durch neue Anbieter (China, Tech-Konzerne)

6. Szenarien

Bull-Szenario

Volkswagen und Porsche AG bauen ihre Marktstellung aus, profitieren von starker Premium-Nachfrage und erfolgreicher Elektrifizierung. Margen bleiben hoch, Impairments spielen kaum eine Rolle. Für Porsche SE schrumpft der NAV-Abschlag, die Dividenden steigen.

  • Umsatzwachstum: VW & Porsche AG +8–10 % p.a., außerhalb China +15 %
  • Dividende: +5–7 % p.a.
  • Kurs Porsche SE: +80–120 % in 3 Jahren
  • Kurs Porsche AG: +40–60 %

Base-Szenario

Moderates Wachstum, solide Märkte, stabile Margen, kaum Abschreibungen. Dividenden steigen leicht, Porsche SE profitiert vom Abschlagsabbau.

  • Umsatzwachstum: +4–6 % p.a.
  • Dividende: +2–3 % p.a.
  • Kurs Porsche SE: +30–50 %
  • Kurs Porsche AG: +20–30 %

Bear-Szenario

China-Schwäche und Kostendruck belasten Erträge, Margen sinken, zusätzliche Impairments. Dividende stagniert oder wird gekürzt. Porsche SE entwickelt sich schwach, Porsche AG hält sich etwas stabiler.

  • Umsatzwachstum: +1–3 % p.a.
  • Dividende: stagnierend/gekürzt
  • Kurs Porsche SE: 0 bis +20 %
  • Kurs Porsche AG: leicht besser

Black-Swan-Szenario

Ein Schock wie Rezession oder harte Konkurrenz führt zu Margen-Einbruch, hohen Impairments und Dividendenausfall. Porsche SE verliert stark, Porsche AG ebenfalls, aber etwas robuster.

  • Umsatzwachstum: stark rückläufig
  • Dividende: reduziert/ausgesetzt
  • Kurs Porsche SE: −30 % bis −50 %
  • Kurs Porsche AG: ebenfalls stark negativ

7. Chartanalyse

Die Aktie der Porsche Holding SE ist seit 2021 in einem starken Abwärtstrend, der die Aktie in den Bereich 18–34€ befördern wird, wo eine Trendwende wahrscheinlich ist. In diesem Bereich sollte Porsche sein bärisches Momentum beenden und in einen bullishen Zyklus übergehen, der neue Höchststände erzeugen kann. Bisher gibt es weder eine Bodenbildung noch ein Zeichen für eine Beendigung des Abwärtstrends, deshalb warte ich noch mit Einstiegen, obwohl generell jetzt ein günstiger Zeitpunkt ist, die Aktie zu kaufen.

8. Fazit

Nach Abwägung der Chancen und Risiken komme ich zu folgender Bewertung:

Meinung: Für Anleger, die…

  • einen mittelfristigen (3- bis 5-Jahres-)Horizont haben,
  • Dividendenrendite suchen und bereit sind, bilanzielle Schwankungen und Impairments zu akzeptieren,
  • an das langfristige Wachstumspotential von VW AG & Porsche AG glauben (Elektrifizierung, Markenstärke, globale Marktchancen),

… stellt Porsche SE eine attraktive Gelegenheit dar. Der aktuelle hohe NAV-Abschlag + gute Dividendenrendite + Möglichkeit eines Abschlagsabbaus ergeben eine Kombination, bei der Porsche SE unter gewissen Voraussetzungen bessere Gesamtrenditen bieten kann als die reine Porsche AG Aktie.

Wenn man jedoch…

  • sehr risikoavers ist,
  • nur operatives Wachstum und Markenperformance wünscht,
  • keine Unsicherheit durch Beteiligungen oder Bilanzrisiken akzeptiert,

… dann ist die Porsche AG Aktie möglicherweise die bessere Wahl, auch wenn sie teurer bewertet ist.

These:

  • Für risikobereite / wachstumsorientierte Anleger: Kaufen von Porsche SE (PAH3) mit Ziel in 3 Jahren +40–60 % Kurssteigerung plus Dividende (also Gesamtrendite +50–80 % je nach Szenario).
  • Für konservative Anleger: Halten oder kleine Position, eventuell Porsche AG wenn das operative Profil günstiger erscheint.

9. Glossar

  • Beteiligungsgesellschaft / Holding: Ein Unternehmen, dessen Hauptzweck das Halten und Verwalten von Beteiligungen an anderen Unternehmen ist.
  • Net Asset Value (NAV): Der innere Wert aller Beteiligungen eines Unternehmens abzüglich Verbindlichkeiten; oft ein Maßstab, wie hoch der „tatsächliche“ Wert sein sollte.
  • NAV-Abschlag (Discount to NAV): Wenn der Börsenwert der Holding deutlich unter dem NAV liegt.
  • Impairment: Wertabschreibung von Vermögenswerten oder Beteiligungen, wenn der Marktwert oder der zu erwartende Nutzen unter dem Buchwert liegt.
  • Dividendenrendite: Verhältnis der Dividende pro Aktie zum aktuellen Kurs – angibt, wie viel Rendite der Anleger allein durch Ausschüttung erhält.
  • Return on Sales (RoS): Gewinn vor Zinsen und Steuern (oder nach Gewinn vor Steuern) als Prozent wichtiger Umsätze – Maß für operative Profitabilität.
  • Margen: Verschiedene Gewinnspannen, z. B. Bruttomarge, operative Marge, Nettomarge.
  • Enterprise Value (EV): Unternehmenswert inklusive Verschuldung und abzüglich liquider Mittel – relevant für Vergleiche, z. B. EV/EBITDA etc.
  • Price to Book (PB oder KBV): Verhältnis von Börsenkurs (Marktkapitalisierung) zum Buchwert (Eigenkapital) des Unternehmens im Jahresabschluss.
  • Value Trap: Aktie, die auf den ersten Blick billig aussieht (z. B. wegen niedrigem Kurs-Gewinn-Verhältnis oder PB), deren Kurs jedoch nicht steigt, weil fundamentale Probleme bestehen, die nicht sofort sichtbar sind.