Die Chip-Earnings-Saison liefert das kurioseste Bild des Jahres: Von 45 Hardware- und Halbleiterfirmen, die seit Anfang Juli berichtet haben, schlugen 36 die Gewinnerwartungen — trotzdem notieren 36 von 45 tiefer, im Schnitt −13,4 %. Der SOX hat seit Mitte Juni 14 % verloren, während der S&P auf Rekordhoch steht. Gute Zahlen werden ignoriert, schwache brutal bestraft. Genau in diesem Umfeld entstehen unsere Setups.
Synopsys — Seitwärtsphase mit steigendem Volumen
Charttechnik:
- Weiterhin in einer Seitwärtsphase, die immer wieder auf dem 38,2er Fibonacci reagiert — aktuell ein sehr guter Einstieg
- Wer noch keine Position hat, kann hier eröffnen; wir selbst kaufen nicht nach (Einstieg liegt erst kurz zurück) und warten auf die Confirmation des beendeten Trends
- Das Volumen hat sich in der Seitwärtsphase erhöht — ein gutes Zeichen
- Nächster Schritt: die Moving Averages durchbrechen — dann sehen wir in Welle 5 Kurse von 860 Dollar
Super Micro — Zielzone perfekt getroffen, +20 % in kürzester Zeit
Charttechnik:
- Unsere Zielzone hat perfekt funktioniert — positive News trieben den Kurs zwischenzeitlich binnen kürzester Zeit um 20 % nach oben
- Der Kurs scheint die Zielzone der Welle 2 zu verlassen und die Moving Averages zu durchbrechen
- In Welle 3 erwarten wir Kurse von 80 Dollar — davor muss allerdings noch die Supportlinie durchbrochen werden, was Zeit kosten kann
- Da die Aktie noch in der Zielzone ist, kann hier nachgekauft werden
Qualcomm — tiefer als erwartet, aber der Boden steht
Charttechnik:
- Qualcomm hatte eine tiefere Korrektur als erwartet — diese sollte jetzt aber abgeschlossen sein
- Das deutlich erhöhte Volumen hilft: Wir bekommen die Aktie aktuell zum gleichen Kurs wie vor dem Ausbruch
- Wer noch nicht im Markt ist, kann hier sehr gute Positionen eröffnen
Die Zahlen vom 29. Juli stützen den Boden: Qualcomm schlug die Erwartungen, CEO Amon bestätigte das 5-Milliarden-Dollar-Datacenter-Ziel für nächstes Jahr und schloss die Übernahme der KI-Software-Firma Modular ab — der Einstieg ins Rechenzentrumsgeschäft nimmt Form an. Der Nettogewinn litt zwar unter Zollkosten ("Kosten steigen, Preise werden steigen"), aber genau diese Übergangssorgen haben uns den günstigen Wiedereinstiegskurs beschert.
Nvidia — cleanes 1-2-Setup, Trend intakt
Charttechnik:
- Nvidia hat im Chip-Abverkauf ebenfalls gelitten, dabei aber ein cleanes 1-2-Setup ausgebaut
- Mehrfache Reaktion auf dem 61,8er Fibonacci — der Aufwärtstrend ist klar intakt
- In Welle 3 erwarten wir Kurse von 290 Dollar
- Der Kurs hält sich oberhalb des 200er Moving Average — ein gutes Zeichen für steigende Kurse
Micron — Welle 4 erreicht, Ziel 1.600 Dollar
Charttechnik:
- Micron hat die Zielzone der übergeordneten Welle 4 erreicht und auf dem 100er Moving Average reagiert
- In der aktuell sehr volatilen Phase können wir uns noch etwas Seitwärtstendenz vorstellen — mittelfristig sollte die Aktie aber klar steigen, sofern keine fundamentalen News kommen, die die Memory-Nachfrage in Frage stellen
- In Welle 5 sehen wir Kurse von 1.600 Dollar
Fundamental bleibt Micron der stärkste Wert im Memory-Sektor: Rekordquartal mit rund 41,5 Mrd. Dollar Umsatz (+346 %), einer GAAP-Bruttomarge von 85 % und einer Guidance von ~50 Mrd. Dollar fürs laufende Quartal. HBM4 läuft in Hochvolumen-Auslieferung, Morgan Stanley führt Micron als Top-Pick 2026, und TD Cowen ruft exakt unser Kursziel von 1.600 Dollar aus — bei einem Forward-KGV von nur ~5. Die Volatilität kommt von außen: China-Konkurrenz-Berichte und die neuen US-Zölle sorgten zuletzt für einzelne Abverkaufstage. Das ist Rauschen, kein Trendbruch — solange die HBM-Knappheit bis 2027 anhält.
Marvell — Zielzone knapp durchschossen, mit Vorsicht kaufbar


Charttechnik:
- Marvell hat unsere Zielzone der Welle 4 knapp durchschossen — trotzdem aktuell eine Kaufchance
- Hier wären wir allerdings vorsichtiger als bei Micron: Der fundamentale Rückenwind ist kleiner, und die Aktie ist vor allem gestiegen, weil Jensen Huang sie zur "nächsten Trillion-Dollar-Company" erklärt hat
Die letzten Tage zeigen beide Seiten: erst −31 % auf Monatssicht, dann +14 % an einem Tag zur Vorstellung neuer KI-Memory-Produkte auf dem Flash Memory Summit. Substanz ist da — Rekord bei Design-Wins, Data Center inzwischen 76 % des Umsatzes, erhöhter FY2028-Ausblick — aber die Schwankungsbreite bestätigt: Positionsgröße hier bewusst kleiner wählen als bei Micron.
AMD — knapp zehn Prozent nach den Zahlen, Welle 4 im Ausbau


Charttechnik:
- AMD hat nach den Quartalszahlen knapp zehn Prozent verloren — für uns aber in Ordnung: Wir haben eine kleine Welle 4 ausgebaut
- In Welle 5 sollten wir Kurse oberhalb von 700 Dollar sehen
Die Earnings vom 4. August sind das Paradebeispiel für den aktuellen Markt: Double Beat — 11,5 Mrd. Dollar Umsatz (+47 %), EPS über Konsens, Q3-Guidance von 12,7–13,3 Mrd. sogar über den Erwartungen — und trotzdem fiel die Aktie nachbörslich. Die Gründe: eine Pre-Earnings-Rally von fast 8 % am selben Tag, Sorgen um die Bruttomarge (der Hochlauf der Helios-KI-Racks drückt anfangs die Rendite) und ein Aktienverkauf von CEO Lisa Su über 200.000 Stück. Der eigentliche Story-Kern bleibt stark: Helios hat Gigawatt-Commitments von Anthropic und Meta, Produktion startet dieses Quartal. Die Korrektur ist Bewertungs-Hygiene, kein Nachfrageproblem.
Samsung — nach dem Monsterquartal ist gut nicht mehr gut genug

Charttechnik:
- Samsung hat eine besonders starke und schnelle Korrektur hinter sich — der gesamte Kospi verlor kräftig, nachdem die Koreaner eine extreme Rally hingelegt hatten
- Der Kurs hat auf dem 200er Moving Average reagiert
- Wir gehen weiterhin von einer Welle 4 aus, können uns aber vorstellen, dass es der Kurs schwerer hat: Nach den Monster-Earnings sind die Erwartungen so hoch, dass sie kaum noch zu übertreffen sind
Mehr braucht es hier nicht — die fundamentale Lage haben wir in der großen Samsung-Analyse ausführlich aufgearbeitet. Der Titel ist jetzt ein reines Erwartungsmanagement-Spiel bis zu den nächsten Zahlen.
Fazit
Der Chip-Sektor ist zweigeteilt wie selten: Die Fundamentaldaten (Rekord-Halbleiterumsätze, HBM-Knappheit bis 2027, Gigawatt-Deals) sprechen für den Zyklus — die Kurse preisen Ermüdung. Für uns heißt das: Micron ist der Kernkauf mit dem besten Verhältnis aus Bewertung und Rückenwind. Qualcomm und Super Micro bieten frische Einstiege direkt an ihren Zonen, Synopsys für Neueinsteiger ebenso. Nvidia und AMD bestätigen ihre Trends — hier heißt es halten und die Wellen 3 bzw. 5 laufen lassen. Nur bei Marvell und Samsung fahren wir bewusst mit angezogener Handbremse.
Die Rotation raus aus den Chips ist eine Stimmungs-, keine Substanzfrage. Und genau solche Phasen haben historisch die besten Einstiege geliefert.