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Earnings Overview KW 04

3M (MMM): Operative Neuausrichtung trifft auf technisches Topping-Szenario

3M befindet sich nach der Abspaltung des Gesundheitsgeschäfts in einer Phase tiefgreifender strategischer Neuausrichtung. Der Fokus liegt auf der Stärkung des industriellen Kerngeschäfts, Effizienzsteigerungen und dem Abbau rechtlicher Altlasten – bei gleichzeitig zurückhaltender kurzfristiger Guidance.

Fundamentales Update (Q4 2025)

  • EPS: 1,83 USD (über Konsens von 1,80 USD)

  • Umsatz: 6,02 Mrd. USD (leicht unter Erwartung)

  • 2026-Guidance: EPS 8,50–8,70 USD, organisches Wachstum 3–4 %

  • Marktreaktion: Aktie −7 % nachbörslich – Guidance als zu defensiv wahrgenommen

Segment-Highlights

  • Safety & Industrial: +6 % YoY (2,87 Mrd. USD), stärkster Wachstumstreiber

  • Consumer: −2,2 % organisch, anhaltender Gegenwind

  • Marge: +140 bp auf 21,1 % durch Kostendisziplin und KI-gestützte F&E

  • Innovation: 284 neue Produkte 2025, Ziel 350 in 2026

  • Kapitalrückführung: 4,8 Mrd. USD (Dividenden & Buybacks)

Risiken: schwache Konsumnachfrage, mögliche EU-Zölle, flache US-Industrieproduktion 2026

Charttechnische Einordnung

Nach Abschluss der großen Welle II konnte MMM wieder impulsiv ansteigen. Aktuell befindet sich die Aktie in der Welle 5 und damit im Topping-Bereich der übergeordneten Welle 1.

  • In diesem Szenario ist eine Korrektur in Richtung ~110 USD technisch gut erklärbar

  • Diese Bewegung passt zur konservativen Guidance und dem fehlenden kurzfristigen Neubewertungskatalysator

  • Nach Abschluss dieser Korrektur eröffnet sich langfristig erhebliches Potenzial:
    → In der anschließenden Welle 3 sind Kurse bis ~278 USD möglich

Fazit

Kurzfristig deutet die Kombination aus vorsichtiger Guidance und technischer Struktur auf eine Konsolidierung hin. Mittel- bis langfristig bleibt die Aktie jedoch hochinteressant: operative Verbesserungen, steigende Innovationsdynamik und eine saubere charttechnische Struktur sprechen für deutlich höhere Kurse im nächsten großen Impuls.


Netflix (NFLX): Werbeskalierung, strategische Expansion und charttechnische Entscheidungszone

Netflix hat sich 2025 endgültig vom reinen Abo-Streamingdienst zu einem diversifizierten Medien- und Werbeunternehmen entwickelt. Die jüngsten Zahlen bestätigen die operative Stärke – gleichzeitig steigt die Sensibilität des Marktes gegenüber Margen, Guidance und Bewertung.

Fundamentales Update (Q4 2025)

  • Umsatz: 12,05 Mrd. USD (+18 % YoY, über Erwartungen)

  • EPS: 0,56 USD (+30 % YoY, im Rahmen der Schätzungen)

  • 2026-Guidance:

    • Umsatz: 50,7–51,7 Mrd. USD

    • Operative Marge: ~31,5 %

  • Abonnenten: 325 Mio. (neuer Meilenstein)

  • Werbung: >1,5 Mrd. USD Umsatz 2025 (Verdopplung ggü. 2024)

Marktreaktion: −5 % nachbörslich

  • Q1-2026-EPS-Guidance (0,76 USD) ca. 6 % unter Erwartung

  • Sorge über kurzfristigen Margendruck und mögliche Integrationskosten im Zusammenhang mit der gemeldeten Warner Bros. Discovery-Übernahme

Strategischer Fokus: ARPU statt Nutzerwachstum

Das Netto-Neukundenwachstum verlangsamte sich deutlich (41 Mio. in 2024 → 23 Mio. in 2025). Netflix verlagert den Fokus klar auf:

  • ARPU-Steigerung

  • Werbetechnologie & KI (automatisierte Kampagnen, schnellere Buchungsprozesse)

  • Neue Formate: Live-Sport, Podcasts, Gaming

Die Werbeerlöse sollen sich bis 2026 erneut verdoppeln. Gleichzeitig steigen jedoch die Content-Amortisationskosten (erwartet +10 % in 2026). Trotz dieser Belastungen bleibt die finanzielle Basis stark:

  • Free Cashflow 2025: 9,5 Mrd. USD

  • Ziel 2026: ~11 Mrd. USD

M&A-Risiko/Chance:
Die potenzielle Übernahme von Warner Bros. Discovery (82,7 Mrd. USD) birgt erhebliches Synergiepotenzial, aber auch Ausführungs- und Verschuldungsrisiken – ein klarer Volatilitätsfaktor für die Aktie.

Charttechnische Einordnung

Nach dem Abschluss der Welle 3 hat Netflix stark reagiert und befindet sich aktuell in der Zielzone für die Welle 4.

  • Die laufende Konsolidierung kann hier regulär enden

  • Kritisches Level: ~70 USD (Hoch der Welle 1)

  • Ein nachhaltiges Unterschreiten dieser Zone würde das bullische Szenario invalidieren

    • In diesem Fall müsste die Zählung vollständig neu angesetzt werden

    • Es wäre sogar ein Top der übergeordneten Welle I denkbar

Solange diese Zone jedoch hält, bleibt die Korrektur technisch gesund und eröffnet mittelfristig Raum für die nächste Aufwärtsphase.

Fazit

Netflix bleibt fundamental eines der stärksten Medienunternehmen weltweit: hohe Cashflows, skalierbare Werbeplattform und klare ARPU-Strategie. Kurzfristig begrenzen vorsichtige Guidance und M&A-Unsicherheiten das Momentum. Charttechnisch befindet sich die Aktie jedoch in einer entscheidenden Unterstützungszone – deren Verteidigung darüber entscheidet, ob Netflix nur konsolidiert oder vor einer größeren Trendwende steht.


Intel (INTC): Foundry-Turnaround zwischen Strukturwandel und charttechnischer Chance

Intel befindet sich in einer der entscheidendsten Phasen seiner Unternehmensgeschichte. Der Konzern treibt den Übergang vom integrierten Chip-Hersteller hin zu einem offenen Foundry-Modell voran. Technologische Fortschritte sind sichtbar – kurzfristig wird dieser Umbau jedoch von operativen Reibungsverlusten und schwacher Endnachfrage überlagert.

Fundamentales Update (Q4 2025)

  • Umsatz: 13,7 Mrd. USD

  • Bereinigtes EPS: 0,15 USD (Konsens: 0,08 USD)

  • Q1-2026-Guidance:

    • Umsatz: 11,7–12,7 Mrd. USD

    • EPS: ~0,00 USD

Positive Punkte:

  • Data Center & AI: +9 % YoY Wachstum

  • Intel Foundry: +3,8 % Umsatzwachstum

  • Kostenbasis: −15 % operative Kosten YoY

  • Technologie: Fortschritte bei 18A- und 14A-Prozessen

Belastungsfaktoren:

  • PC-Segment: −7 % Umsatzrückgang

  • Erschöpfte Lagerpuffer → Lieferengpässe

  • Sehr schwache Guidance, die Zweifel an der kurzfristigen Umsetzungskraft weckt

Der Markt bewertete insbesondere die Q1-Guidance als stark negativ. Die Aktie geriet deutlich unter Druck, da sich der Zeitpunkt einer nachhaltigen Rückkehr zur Profitabilität weiter nach hinten verschiebt.

Die Foundry-Wette: Chance mit Margenrisiko

Der strategische Kern der Intel-Story bleibt der Ausbau der Intel Foundry. Die Öffnung der Fertigung für externe Kunden ist essenziell, um langfristig Skaleneffekte und geopolitische Relevanz zu sichern. Kurzfristig besteht jedoch ein strukturelles Risiko:

  • Schwache interne PC-Nachfrage belastet die Fab-Auslastung

  • Geringere Auslastung limitiert Margenhebel

Die Bruttomarge von 37,9 % liegt deutlich unter dem Branchenniveau (>50 % bei führenden Wettbewerbern). Genau hier liegt das Spannungsfeld zwischen:

  • langfristiger EPS-Wachstumsprognose (~38 % p.a.)

  • realer Verlust- bzw. Near-Zero-Profitabilität im Übergangsjahr

Segmentüberblick (Q4 2025):

  • Client Computing: 8,2 Mrd. USD (−7 %)

  • Data Center & AI: 4,7 Mrd. USD (+9 %)

  • Intel Foundry: 4,5 Mrd. USD (+3,8 %)

Charttechnische Einordnung

Charttechnisch zeigt Intel ein konstruktives Bild:

  • Der jüngste impulsive Anstieg lässt sich als Welle 3 interpretieren

  • In diesem Szenario hat die Aktie das Potenzial, langfristig neue Allzeithochs zu erreichen

  • Die Bewegung dürfte fünfteilig verlaufen

Aktuell wird vermutlich Welle 1 dieser neuen Impulsstruktur ausgebaut. Daraus ergeben sich:

  • Rücklauf- und Kaufzonen im Bereich 25–32 USD, in denen sich attraktive Einstiege ergeben können

Fazit

Intel bleibt fundamental eine anspruchsvolle Turnaround-Story: Der Foundry-Ansatz ist strategisch richtig, aber operativ teuer und kurzfristig margendämpfend. Die schwache Guidance erklärt den aktuellen Bewertungsdruck. Charttechnisch zeigt sich jedoch erstmals seit längerer Zeit ein sauberer Impuls, der – bei Bestätigung – eine völlig neue mittelfristige Perspektive eröffnen kann. Intel bleibt damit ein Titel für antizyklische Anleger mit Geduld und klarer Risikosteuerung.


Eigene Einschätzung und Research, keine Anlageberatung. Kurse und Kennzahlen aus der 60-Sekunden-Tabelle, bis zu 20 Minuten verzögert.