ChartupdateNº 7··5 Min. Lesezeit

Konsum 7

Acht Titel, und der Sektor zeigt gerade beide Gesichter: Bei den einen kapituliert der Markt (Lululemon, Nike), bei den anderen bauen sich in aller Ruhe Einstiege auf (Estée Lauder, LVMH). Der Reihe nach.


Celsius — zurück am unteren Ende der Range

Charttechnik:

  • Der Anstieg von Anfang August wurde voll abverkauft — die Aktie steckt weiter in der Range zwischen 28 und 33 Dollar, aktuell am unteren Ende
  • Wir glauben nicht, dass die Korrektur hier final durch ist — gut möglich, dass wir länger in dieser Range bleiben
  • Mindestens ein erneuter Besuch des Welle-A-Lows bei 21 Dollar bleibt unser Szenario

An der Langfrist-Story (Modern Energy, Alani Nu, 20 % Marktanteil) hat sich seit dem letzten Update nichts geändert — aber der Chart sagt klar: Es gibt keinen Grund zur Eile. Wer die 21 abwartet, bekommt denselben Case billiger.


Estée Lauder — am 200er, und der ist jetzt die Einladung

Charttechnik:

  • Nach einem kleinen Rücksetzer reagiert die Aktie gerade auf dem 200er Day Moving Average (rote Linie)
  • Wird der verteidigt, ist das eine neue Einstiegschance — wer noch nicht positioniert ist, kann hier eine gute Position aufbauen
  • In der Welle 3 sind locker wieder Kurse von 180 Dollar drin

Der Rücksetzer auf die rote Linie ist genau die zweite Chance, die viele nach dem Lauf aus der Zielzone verpasst zu haben glaubten. Solche Retests entscheiden über die Qualität eines Trends — hält er, war der Ausbruch echt.


Kering — zweite Reaktion in der Zielzone

Charttechnik:

  • Kering hat ein zweites Mal in der Zielzone der Welle 2 reagiert — damit sollten die letzten schwachen Hände aus dem Markt gespielt sein und ein Aufwärtstrend beginnen können
  • Die entscheidende Marke bleibt der 200er Day Moving Average (rote Linie): Wird er endlich durchbrochen, kann die Aktie nachhaltig und länger steigen

Die doppelte Reaktion in der Zone ist das, was man sehen will — einmal kann Zufall sein, zweimal ist Nachfrage. Jetzt fehlt nur noch der Befreiungsschlag über die rote Linie.


LVMH — am 50er Retracement, und die Konstellation ist selten gut

Charttechnik:

  • Die letzte Bewegung hat die untere Begrenzung (blaue Linie) nicht mehr vollständig ausgeschöpft — stattdessen hat die Aktie erneut am unteren Ende der Welle-4-Range, am 50er Retracement, reagiert
  • Genau dort stehen wir jetzt — und haben aus unserer Sicht eine unfassbar gute Einstiegsmöglichkeit
  • Der Grund: Der kurzzeitige Ausbruch aus der Diagonale hat Positionen aus dem Markt genommen, gleichzeitig stützt die Kombination aus Diagonale und 50er Retracement als starker Support direkt darunter

Das ist die Sorte Setup, bei der das Risiko klar definiert ist: Der Support liegt direkt unter dem Einstieg, das Kurspotenzial der Welle 5 weit darüber. Besser wird die Rechnung bei einem Weltmarktführer selten.


Lululemon — der Kitchen Sink ist durch, Burry kauft

Charttechnik:

  • Die letzten Earnings waren ein klassischer Kitchen-Sink-Moment — alles Schlechte auf einmal auf den Tisch
  • Wir glauben, dass wir hier fast definitiv das Bottom gesehen haben
  • Eine wahnsinnige Entwicklung erwarten wir kurzfristig trotzdem nicht — eher eine Seitwärtsbewegung mit moderaten Kursgewinnen
  • Wer einen Buy-and-Hold-Kandidaten sucht, ist hier sehr gut bedient

Was am 3. September passierte, verdient den Namen Kapitulation: Umsatz erstmals rückläufig (−4 %), vergleichbare Umsätze −9 %, das Kernprodukt Damen-Leggings weltweit −20 %, zweite Guidance-Senkung des Jahres — und der ausgewiesene Gewinn hielt sich nur dank einer einmaligen Zollerstattung von 134 Millionen Dollar. Die Aktie verlor 18 Prozent, fiel auf ein Achtjahrestief unter 100 Dollar, Truist stufte auf Verkaufen. Und genau in diesen Trümmerhaufen hinein sagte Michael Burry, was wir ähnlich sehen: Kurse unter 100 Dollar seien ein "Fat Pitch", den man dringend kaufen müsse. Lululemon ist inzwischen seine größte Position, er bringt sogar eine Private-Equity-Übernahme ins Spiel. Dazu kauft das Unternehmen selbst aggressiv zurück — über zwei Prozent aller Aktien allein im letzten Quartal — und sitzt auf 1,3 Milliarden Cash, während nächste Woche mit Heidi O'Neill eine neue CEO übernimmt. Wenn die Wall Street geschlossen aufgibt und die Käufer Burry, das eigene Unternehmen und wir sind: Das ist historisch keine schlechte Gesellschaft.


Nestlé — die Welle B schwächelt, und das wäre ein Warnsignal

Charttechnik:

  • Nestlé läuft weiter seitwärts und baut die Welle B aus — allerdings mit weniger Momentum als gedacht
  • Grundsätzlich trauen wir der Welle B noch einen Anstieg auf 100 Franken zu
  • Aber: Die Zielzone wurde bereits berührt — es ist also möglich, dass die Welle B schon durch ist. Das wäre eine sehr schwache B — und würde bedeuten, dass uns ein relativ starker, schneller Abverkauf bevorsteht

Übersetzt: Nestlé ist gerade kein Investment, sondern eine Beobachtungsposition. Eine müde Erholung nach schwachen Zahlen ist oft nur die Pause vor dem nächsten Schub nach unten — unsere tieferen Zielmarken kennt ihr aus dem letzten Update.


Nike — unter 40, am 78,6er: Das Mindestziel ist erreicht

Charttechnik:

  • Nike hat die 40 Dollar erstmals verlassen — und zwar deutlich
  • Damit ist endlich das 78,6er Fibonacci erreicht, unser Mindestziel für diese Korrektur
  • Das Volumen ist drastisch angestiegen, ebenso die Insiderkäufe
  • Auch hier gilt: Wir erwarten keinen gigantischen Aufwärtsschwung, sondern eine Seitwärtsbewegung mit leichten Anstiegen — für Buy-and-Hold aber ein super Einstieg

Seit Monaten schreiben wir an dieser Stelle denselben Satz: Die finale Kapitulation kommt deutlich unter 40 Dollar, am 78,6er. Jetzt ist sie da — mit explodierendem Volumen, dem klassischen Zeichen, dass die letzten Verkäufer auf die ersten großen Käufer treffen. Bei −38 Prozent seit Jahresbeginn ist Nike einer der meistgehassten Large Caps des Marktes. Genau so sehen Böden aus.


Pernod Ricard — der Rutsch unter die Range öffnet die 46er-Tür

Charttechnik:

  • Pernod pendelte zuletzt in der Range zwischen 67 und 60 Euro — die wir aktuell etwas nach unten verlassen haben
  • Wir glauben an ein einmaliges Berühren von circa 46 Euro — dort liegt das 78,6er Fibonacci als gute Unterstützung
  • Kaufen kann man hier trotzdem schon: Als Familienkonzern kann Pernod besser durch die Krise wirtschaften als aktionärsgetriebene Konzerne — wir glauben an einen baldigen Turnaround

Die frischen Jahreszahlen von Ende August erklären den Druck: organisch −3,9 %, berichtet sogar −14 % — die Erholung in den USA und China verschiebt sich. Aber es gibt zwei Gegengewichte: eine Dividendenrendite von über 7 Prozent, die fürs Warten bezahlt, und ein Analystenkonsens um 82 Euro — fast 40 Prozent über dem Kurs. Der Markt preist Dauerkrise, die Familie Ricard denkt in Generationen. Diese Diskrepanz ist der Trade.


Fazit

Der Konsumsektor liefert gerade zwei Kapitulationen auf dem Silbertablett: Nike hat unser Mindestziel am 78,6er mit Rekordvolumen erreicht, Lululemon hat den Kitchen Sink hinter sich und Burry auf der Käuferseite — beides Buy-and-Hold-Einstiege, keine Sprinter. Estée Lauder und LVMH bieten die technisch saubersten Setups mit klar definiertem Risiko. Kering braucht die rote Linie, Pernod zahlt 7 Prozent fürs Warten auf die 46. Nur bei Celsius und Nestlé heißt es: Finger weg von der Eile — die besseren Kurse kommen noch.

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Eigene Einschätzung und Research, keine Anlageberatung. Kurse und Kennzahlen aus der 60-Sekunden-Tabelle, bis zu 20 Minuten verzögert.