Zwei Energie-Namen, zwei komplett verschiedene Geschichten: Der eine wartet in seiner Range auf den nächsten Zünder, der andere hängt am Ausgang des Iran-Kriegs.
Siemens Energy — die Range hält, bis der nächste Katalysator kommt
Charttechnik:
- Siemens Energy wird weiter hauptsächlich von der KI-Welle getragen — die aktuelle Price Action sieht aber nicht nach einem unmittelbaren großen Anstieg aus
- Wir gehen davon aus, dass die Welle 4 beziehungsweise die Range zwischen 130 und 160 Euro noch eine Weile anhält
- Erst ein neues fundamentales Ereignis dürfte die Kurse wieder nachhaltig steigen lassen
Die Unterkante hat der Markt gerade erst getestet: Mitte September rutschte die Aktie bis auf 131,28 Euro — fast punktgenau an unsere 130er-Marke — und erholte sich seitdem auf rund 143. Fundamental bleibt das Bild stark: Im letzten Quartal wuchs der Umsatz 18,5 Prozent, der Gewinn je Aktie hat sich fast verdoppelt, und der Auftragsbestand liegt bei unfassbaren 162 Milliarden Euro — Book-to-Bill 1,57, es kommt also weiter deutlich mehr rein als raus. Dazu läuft seit letzter Woche ein Aktienrückkauf über bis zu 2 Milliarden Euro. Der nächste Katalysator hat sogar schon einen Termin: die vollständigen Jahreszahlen im Herbst, inklusive Neuigkeiten zur Abspaltung des Industriegeschäfts. Bis dahin ist die Range unser Spielfeld — Käufe unten, Geduld oben.
Schlumberger — Kriegsprämie raus, Infrastruktur-These rein
Charttechnik:
- SLB hatte durch das Wiederaufflammen des Iran-Kriegs einen deutlichen Anstieg — der in den letzten Tagen bereits wieder abverkauft wurde
- Unsere Einschätzung: Trump wird um die Midterms herum einen Deal mit dem Iran finden — das dürfte SLB kurzfristig fallende Kurse bescheren
- Langfristig ändert das nichts am Case: SLB verdient an der Ölinfrastruktur, nicht am Ölpreis — und vom Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur wird das Unternehmen jahrelang profitieren
Der Chart bestätigt den Stimmungsumschwung bereits: Nach dem Hoch Anfang September ist die Aktie zuletzt unter die 50-Tage-Linie gerutscht. Wer hier investiert, muss die Reihenfolge verstehen — erst der Deal-Dip, dann der Jahrhundert-Auftrag. Denn egal wie der Krieg endet: Die Förderanlagen, Pipelines und Häfen der Golfregion sind beschädigt, und irgendjemand muss sie reparieren. SLB ist mit seinem Service- und Digitalgeschäft (Forward-KGV ~15 nach +50 % im letzten Jahr) der erste Anruf, den die Region tätigen wird. Kurzfristig Geduld, langfristig Position — die Zonen dafür stehen im Chart.
Fazit
Siemens Energy ist die komfortable Position: 162 Milliarden Auftragsbestand im Rücken, eine klar definierte Range zum Handeln, der Katalysator terminiert. Schlumberger verlangt mehr Nerven — wer den Deal-Dip als das liest, was er ist (der Einstieg vor dem Wiederaufbau-Zyklus), wird belohnt. Beide Titel bestätigen, warum Energie unser Sektor des Jahres bleibt: Die Nachfrage ist strukturell, nur das Timing ist Handwerk.